| An(ge)dacht Frühjahr 2009 |
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Nur ein Spiel? Kennen Sie Mega-Alki? Nein? Das ging mir bis vor Kurzem auch so. Dann durfte ich ihn und seine Kumpels kennen lernen. Mega-Alki ist ein - Entschuldigung - Penner, korrekter ausgedrückt: ein Obdachloser. Aber mit Korrektheit ist es bei ihm und seinen Freunden nicht so weit her. Denn sie sind allesamt Fantasiefiguren in einem Online-Rollenspiel, das zu beobachten ich im Jugendtreff das zweifelhafte Vergnügen hatte.Auf der entsprechenden Internetseite kann jeder seinen eigenen imaginären Penner erstellen und mit dieser Spielfigur den angeblich typischen Zeitvertreiben eines Obdachlosen nachgehen. Da sitzen also "meine Jungs" am Computer mit ihren Markenturnschuhen und erklären mir begeistert, was man mit so einem Penner alles machen kann. Das fängt beim Flaschensammeln an, denn schließlich braucht man ja Geld. Wem das zu aufwendig ist und wer schneller an Bares kommen will, der kann aber auch ein Training in Sachen Taschendiebstahl mitmachen. Um das Wenige noch zu verteidigen oder zu mehren, gibt es natürlich auch Kampffunktionen mit verschiedenen Waffen. Und schließlich werden die erspielten Taler dann wieder umgesetzt. Bestenfalls in eine Currywurst, häufiger "selbstverständlich" in verschiedene Alkoholika. Und passenderweise gibt es auch eine "Alkoholstatusanzeige", die nach drei oder vier Gläsern Glühwein oder einigen Flaschen Bier von Rot auf Grün springt und damit signalisiert: "Jetzt ist alles so, wie es sein soll". Ich schaue dem Spiel erst mal nur zu. Bin baff, wie jemand auf die Idee kommen kann, aus dem Schicksal von obdachlosen Menschen um uns herum so ein Spiel zu machen. Aber weit mehr als eine Million angemeldete Nutzer auf der Seite finden das offensichtlich gut. Nach längerem Nachdenken kann ich das auch nicht mehr mit falscher Sozialromantik entschuldigen. Vielmehr fallen mir Worte ein wie "menschenveranchtend" oder "pervers". Und mir kommt ein Wort Jesu in den Sinn: "Was ihr getan habt einem dieser meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!" (Matthäus 25, 40) Ich wünsche uns allen, dass wir es lernen, liebevoll und zugewandt mit hilfsbedürftigen Menschen am Rand der Gesellschaft umzugehen, statt sie zum Objekt eines mehr als fragwürdigen "Spiels" zu machen. Jesus wird uns einmal danach fragen. Knut Ringelband
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| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 07. Juli 2009 um 12:40 Uhr |