An(ge)dacht im September

„Meine Zeit steht in Deinen Händen.“       (Ps 31,15)

 

Wie ja schon mehrfach berichtet, war das Thema des diesjährigen Wochenendes der Mitte „Hast Du Zeit?“. 

Am Samstagvormittag hat uns unser Referent, Holger Noack, einen inspirierenden Input zu dem Thema Zeit gegeben. Dieser hat mich zum Nach-denken gebracht und wird sicher noch lange nachwirken. Holger hat uns in seine Gedanken mit hineingenommen, dass es mindestens drei unter-
schiedliche Sichtweisen auf Zeit gibt, die ich Euch etwas vorstellen bzw. an die ich Euch erinnern möchte. 

Als erstes ist da die „Runde Zeit“, die alle regelmäßig wiederkehrenden Ereignisse und Termine beinhaltet. In Kleingruppen haben wir dafür viele Beispiele gefunden (Geburtstage, die vier Jahreszeiten, das Kirchenjahr, …). Wir haben festgestellt, dass diese Veranstaltungen uns Struktur geben, aber auch ein stückweit unflexibel sind. 

Danach wurde die „Gerade Zeit“ vorgestellt, Zeitphasen, die irgendwann abgeschlossen sind und damit den Raum für Entwicklung geben, da nach dem Abschluss einer Phase eine Neue beginnt. Wir entdeckten, dass dies z.B. bei unserem beruflichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Ausbildung oder Studium, …) der Fall ist. Diese Zeitphasen bergen subjektive Vor- und Nachteile. Sie sind unwieder-
bringlich vergangen. Damit haben wir einerseits nicht mehr die Chance, sie im Nachgang noch zu verbessern. Andererseits können wir Dinge ab-
schließen und uns Neuem zuwenden. 

Als Letztes gibt es die „Sprunghafte Zeit“, die die Überraschungen im Leben darstellt. Ungeplante Ereignisse, die für uns auf den ersten Blick positiv oder auch negativ sein können. Dazu gehören z.B. Menschen, die wir „zufällig“ kennenlernen, aber auch Ereignisse wie z.B. Unfälle, die uns zwingen, unser Leben zu überdenken und neu zu gestalten. 

Das Referat und vor allem der Austausch in den Gruppen hat mich an viele Ereignisse in meinem Leben erinnert und mich dankbar dafür gemacht, dass unser himmlischer Vater uns reich beschenkt mit Zeit und Erlebnissen. Auch wenn mein Leben gerade in den ersten 30 Lebensjahren recht unstet war und ich lange brauchte, um zu herauszufinden, was ich tun oder auch lassen sollte, weiß ich, dass Gott stets an meiner Seite war und nur das Beste für mich vorhatte und vorhat. Unser himmlischer Vater schenkt uns unsere Lebenszeit. Wir sollen und dürfen sie nutzen und ihm wieder zur Verfügung stellen. Lasst uns täglich neu überlegen, wie wir Gott und unseren Mitmenschen mit unserer Zeit dienen können. 

Von Christiane Bertsch

An(ge)dacht: Normalität

An(ge)dacht – Normalität

„Das ist doch nicht normal!“ Diesen oder einen ähnlichen Satz hat bestimmt jeder von uns schon mal gehört oder selber gesagt. Meistens in einem negativen Kontext, begleitet von einem verständnislosen Kopfschütteln.

Offensichtlich wird Normalität als erstrebenswerter Zustand angesehen, den wir mehr oder weniger entschieden von uns und unseren Mitmenschen einfordern. Und wir sind es ja auch gewohnt: Gehen wir zum Arzt, freuen wir uns über Blutwerte im Normalbereich, bei auftretenden Motorengeräuschen beruhigt uns die Diagnose vom Mechaniker, dass diese vollkommen normal sind.

Doch was ist eigentlich „normal“? Per Definition wird darunter verstanden, vorhandenen (z. B. wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen) Normen, oder auch über längere Zeiträume ähnlich ablaufenden Ereignissen zu entsprechen. Quasi gewöhnlich, aber ehrlich gesagt klingt das gar nicht so besonders erstrebenswert. So wird, wer sich durch ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen auszeichnet, als Spießer abgewertet. Und unsere Kinder ermutigen wir sogar im Gegenteil, nicht dieselben, von anderen vorgegeben Wege zu gehen, sondern ihre eigenen Spuren auf der Welt zu hinterlassen.

Scheinbar gibt es da also eine gewisse Widersprüchlichkeit mit der Einstellung zur Normalität. Ich denke, ein gewisses Maß davon ist in unserem Leben nicht falsch, sie kann uns im Alltag Orientierung und Sicherheit geben. Einige Normen sind für unser gesellschaftliches Zusammenleben wichtig und für ein freies Leben in einer Demokratie sogar unverzichtbar. Abgesehen von diesen existentiellen Regeln darf aber nicht unser persönliches Verständnis von Normalität, unsere individuelle Wertvorstellung der Maßstab sein, mit dem wir über das Leben oder das Handeln anderer urteilen.

Die Bibel (1.Korinther 12,19-21) stellt im Vergleich zu den verschiedenen Aufgaben und Lebenssituationen jedes Einzelnen die Frage, was für ein sonderbarer Leib das wäre, der nur ein Körperteil hätte. Die Antwort ist, dass dies (zum Glück) nicht so ist, sondern viele unterschiedliche Teile gemeinsam den einen, vollständigen Leib bilden. Vor allem der darauffolgende Vers „Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht! Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ihr seid überflüssig!“ sollte uns ermutigen, nicht die eigenen Vorstellungen und Normen als allgemeingültig anzusehen.

Ich wünsche uns, immer eine gewisse Offenheit für die Lebenswirklichkeit und Erfahrungen unserer Mitmenschen beizubehalten und ihnen zuzugestehen, ihre eigenen – vielleicht unnormalen – Wege zu gehen. Wer weiß, wo sie hinführen werden. Und wenn uns das nächste Mal ein „Das ist doch nicht normal!“ auf der Zunge liegt, vielleicht erinnern wir uns daran und stellen uns selbst die Frage: „…möglicherweise ist es das (für mich) nicht, aber muss es das denn wirklich sein?“

Von Jonas Schöler

Alltagspause – aktueller Stand

Nachdem wir nun wieder eine Alltagspause mit euch teilen durften, haben wir leider schon wieder technische Probleme. Wir hoffen aber euch in dieser Woche wieder mit einer neuen  Alltagspause erfreuen zu können. Solange wollen wir euch ermutigen mal die „alten“ Alltagspausen durchzuschauen, vielleicht findet ihr ja eine, die ihr noch nicht kennt, oder die sich lohnt nochmal angeschaut zu werden.

Wir haben euch hier noch einmal die Alltagspause #1 verlinkt. Mit dieser Alltagspause begann letztes Jahr pünktlich an Heiligabend alles. Viel Spaß beim Anschauen.

An(ge)dacht

Innerer Monolog Jesu im Garten Gethsemane kurz vor seiner Verhaftung

In Anlehnung an Matthäus 20 & Lukas 22

Ich bin so ängstlich und voller Trauer. „Meine Seele ist zu Tode betrübt“ (Mt 26,38), das habe ich eben zu meinen engsten Freunden und Jüngern gesagt, Vater. Ich würde sie gerne noch weiter mitnehmen. Aber ich muss allein mit dir sprechen. Das würden sie sowieso nicht verstehen. Aber es tut gut zu wissen, dass sie nur ein paar Schritte weit weg sind. Vor allem, dass Petrus dabei ist. Mein bester Freund.

Oh Gott, ich kann nicht mehr. Ich fühle mich ganz komisch. Was ist los mit mir? Fühlt sich so eine Panikattake an? Ich habe Todesangst (Lk 22, 44). Ruhig bleiben! Bloß ruhig bleiben. Heute kommt noch Einiges auf mich zu, wo ich durchhalten muss. Einatmen. Ausatmen. Ruhig einatmen, 1,2,3,4,5,6,7,8 und ausatmen……

Papa? Bitte hör mir zu! Ich will nicht, ich glaub ich schaff‘ das nicht, mich ans Kreuz hängen zu lassen. So kenne ich mich selber gar nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass es schon vor meiner Hinrichtung so schlimm sein würde. Ich wusste ja mein Leben lang, dass das auf mich zukommen würde… Aber  trotzdem habe ich jetzt kurz vorher unglaubliche Angst, Vater. Hilf mir! Bitte sei für mich da. Ich habe mich noch nie so verunsichert gefühlt, so hilflos, so ausgeliefert. Es fühlt sich so erbärmlich an, jetzt einfach eine Marionette in der Heilsgeschichte der Menschheit zu sein. Was hab ich getan, dass ich dafür herhalten muss?? Genau das ist es ja…, weil ich der Einzige bin, der nichts Schlechtes getan hat in dieser Welt. Deshalb muss genau ich sterben. Ich weiß ja…

Ich möchte das auch tun für die Menschen, damit sie von ihrer Sünde erlöst und wir zusammen im Himmel sein werden. Aber jetzt, wo mir der grausame Schritt, der dorthin führt, kurz bevor steht, fällt es mir unglaublich schwer es durchzuziehen, es mit mir machen zu lassen. Meiner Vorherbestimmung, grausam getötet zu werden, zu folgen. „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39).